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Die Sage zur Semmelfrau

 

Der hungrige Wolf

Ungefähr fünfhundert Schritt vom Dorfe Lietzow an dem alten Wege nach Nauen liegt seit undenklichen Zeiten ein aus einem Feldsteine roh gearbeitetes Kreuz, von dem aber jetzt schon ein Arm ab ist. Zu diesem Stein erzählen die Leute folgende Geschichte: An einem kalten Winterabend kam eine Frau mit Semmeln aus Nauen gelaufen. Da wurde sie plötzlich von einem hungrigen Wolf verfolgt. In ihrer Angst warf sie ihm eine Semmel hin; als aber der Wolf diese verzehrt hatte, kam er der Frau wieder nach. Die Frau warf ihm in ihrer Verzweiflung nach und nach alle Semmeln hin und glaubte, sie würde unterdessen das Dorf erreichen. Sie war nur noch fünfhundert Schritte vom Ort entfernt, da hatte sie keine Semmeln mehr. Da fiel der hungrige Wolf sie an und fraß sie auf. Zum Andenken an dieses Unglück richtete man dieses Steinkreuz auf.

 

 

Quelle: „Buch: Nauen in alten Bildern und Geschichten von Eugen & Constanze Gliege“